Vom Unsinn der Babybetreuung in Kitas oder warum man Säuglinge nicht der Mutter wegnehmen sollte

Das Bonding direkt nach der Geburt wird mehr und mehr selbstverständlicher Teil der geburtshelferischen Praxis, weil zunehmend mehr Fachkräfte die Wichtigkeit dieser Grundlegung der Mutter-Kind-Bindung erkennen. An anderer Stelle hingegen wird die Bindung des Babys auf massive Weise gefährdet, nämlich, indem es viel zu früh in Fremdbetreuung gegeben wird.

 

Warum überhaupt Fremdbetreuung?

An die Mutter wird nach der Geburt ein teuflischer Doppelanspruch gestellt, nämlich, erstens, eine perfekte Mutter zu sein und, zweitens, so schnell wie möglich wieder in den Beruf einzusteigen und eine erfolgreiche, emanzipierte Frau zu sein. Wenn dabei – ganz gleich ob bei Arbeitgebern oder der Politik – von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Rede ist, dann geht es dabei meistens vor allem um eins: Möglichkeiten, das Kind irgendwo abzugeben, damit die Eltern möglichst schnell wieder arbeiten können.

Wer jetzt aber glaubt, damit erfüllen sich die alten Forderungen der Frauenbewegung nach Gleichberechtigung, täuscht sich. Zwar gilt eine Mutter, die ihren Säugling einer Kita überlässt, heutzutage nicht mehr automatisch als Rabenmutter, aber dafür kommt der Druck jetzt von der anderen Seite – sie wird dazu gedrängt, das Kind so früh wie möglich in eine Betreuung zu geben und gilt andernfalls als Hausmütterchen, als rückständige Sklavin des Patriarchats!

Damit sind die Frauen nicht befreit, sondern lediglich um eine Verpflichtung reicher geworden. Nun sollen sie nicht nur Kinder bekommen, sondern auch noch Karriere machen – gleichzeitig. Spätestens mit der Einführung des gesetzlichen Anspruches auf einen Kita-Platz wurden diese Anforderungen an junge Familien gesetzlich zementiert. Ein solches Gesetz lässt sich auch als implizite Aufforderung an alle frischgebackenen Eltern lesen, sie mögen doch bitte von ihrem Recht Gebrauch machen und ihre Kinder zur Kita bringen, damit ihre Arbeitskraft das Wirtschaftswachstum weiter vorantreiben kann.

Nun könnte alles kein Problem sein, wenn nicht die meisten Mütter spüren würden, dass sie eigentlich in erster Linie für ihr Kind da sein müssten. Und wenn sie nicht spüren würden, dass schwere Trennungstraumata mit gravierenden Spätfolgen die Konsequenz sein können, wenn das Kind zu früh in eine Fremdbetreuung gegeben wird. Es ist nämlich keineswegs unerheblich, wer in den ersten Lebensmonaten und -jahren für das Kind da ist und es versorgt. Die Natur hat dafür in erster Linie die Mutter vorgesehen – und das Kind versteht noch nichts von Wirtschaftswachstum und Karriereleitern, es kann nicht anders, als sich an seine natürlichen Erwartungen zu halten und die richten sich vor allem an die Mutter.

Das Bindungsverhalten des Babys und Kleinkindes

Um zu verstehen, wie verheerend die Auswirkungen der Fremdbetreuung bei Babys sein können, muss man wissen, wie das Bindungsverhalten des Babys und Kleinkindes sich bis zum dritten Lebensjahr entwickelt und verändert.

Grundsätzlich hat das Kind bei gesundem Bindungsverhalten eine primäre Bezugsperson – in aller Regel die Mutter. Diese Person kann das Kind am schnellsten beruhigen, bei ihr fremdelt das Kind nie und es reagiert mit Angst, Weinen und Schreien, wenn es von der primären Bezugsperson getrennt wird.

 

Daneben kann es noch weitere (sekundäre) Bezugspersonen geben, bei denen das Kind ebenfalls nicht fremdelt und die unter Umständen in der Lage sind, dem Kind Trost und Sicherheit zu geben. Damit jemand zu einer solchen weiteren Bezugsperson werden kann, ist ein langer Prozess der Gewöhnung nötig, in der die (zukünftige) Bezugsperson dem Kind durch feinfühliges, promptes und zuverlässiges Reagieren auf seine Bedürfnisse eine entsprechende Vertrauensbasis schafft. Nur dann kann das Kind auch andere Personen als Bezugspersonen akzeptieren. Da diese Gewöhnung viel Zeit und Aufmerksamkeit erfordert, erfüllen diese Positionen meist die Personen, die mit Mutter und Kind im gleichen Haushalt leben – meist der Vater und gegebenenfalls Geschwister und Großeltern.

Nach einer gewissen Zeit ist es solchen sekundären Bezugspersonen möglich, das Kind eine Weile zu beaufsichtigen, ohne, dass es Verlustängste erleidet. Meist fällt dieser Zeitpunkt mit dem Mobilwerden des Babys zusammen, also dem Erlernen des Krabbelns und Laufens. Das Baby beginnt nun von sich aus, den Abstand zur primären Bezugsperson immer mehr zu erweitern. Gleichzeitig hat es gelernt, dass es sich auch auf die sekundären Bezugspersonen gut verlassen kann.

In bestimmten Situationen – zum Beispiel bei Krankheit, Verletzung oder Schmerzen (z.B. durchs Zahnen) – gelingt es aber auch den sekundären Bezugspersonen nicht immer, das Kind zu beruhigen. Es braucht dann so schnell wie möglich den Kontakt zur primären Bezugsperson, also in aller Regel die Mutter. Andernfalls leidet das Vertrauen des Kindes in seine Bezugspersonen ganz generell. Welche Folgen das hat, soll gleich erläutert werden.

Die Konsequenzen der Betreuung in der Kita

In der Kita findet die Bildung einer soliden Vertrauensbasis meistens nicht statt und ist bei der bestehenden Personalversorgung der allermeisten Kitas auch überhaupt nicht zu gewährleisten – der nötige zeitliche und personelle Aufwand ist immens. Dies gilt außerdem nur für Kinder, die bereits mobil sind – andernfalls werden überhaupt gar keine fremden Betreuungspersonen über einen längeren Zeitraum akzeptiert.

Entsprechend reagieren die Kinder meist mit panischer Angst, wenn sie in der Kita abgegeben werden, da sie in die Hände von Menschen gegeben werden, zu denen das Kind keine Vertrauensbeziehung aufgebaut hat. Für das Baby sind diese Personen Fremde, von denen es nicht weiß, ob sie sich liebevoll um es kümmern werden oder es bei nächster Gelegenheit verhungern lassen. Die Panikattacken können daher eine solche Schwere annehmen, dass sich das Kind vor Angst übergibt – und das jedes Mal.

Irgendwann lässt dieses allmorgendliche Drama in der Intensität meist nach. Es ist aber ein fataler Irrtum, zu glauben, das Kind habe sich nun eingewöhnt und alles sei in Ordnung. Vielmehr ist dies ein Zeichen dafür, dass das Bindungsverhalten des Kindes nun unrettbar gestört wurde. Die Proteste des Kindes verstummen nämlich nicht etwa, weil es Vertrauen zu den Betreuungspersonen gefasst hätte, sondern, weil es auch den bisherigen Vertrauenspersonen – auch der eigenen Mutter! – nicht mehr traut – immerhin haben diese es ja wiederholt in eine aus Sicht des Kindes lebensbedrohliche Situation gegeben und es trotz lautstarker Proteste nicht „gerettet“.

Es entwickelt sich ein unsicheres Bindungsmuster. Ein solch unsicheres Bindungsmuster wird des Öfteren in fragwürdigen pädagogischen Ratgebern als erstrebenswertes Ziel dargestellt, denn solche Kinder rufen nicht mehr nach der Mutter, sind nach außen ruhig und lassen sich von jeder beliebigen Person klaglos beaufsichtigen. Was diese Ratgeber aber übersehen, ist, dass bei einem solchen Kind das Urvertrauen zerstört wurde! Das Kind ruft nicht nach seiner Mutter, weil es davon ausgeht, dass auf sie kein Verlass ist und ihm nicht helfen wird.

Innerlich sind diese Kinder hochgradig aufgewühlt und befinden sich im Dauerstress. Solche Kinder unterdrücken ihre negativen Gefühle und haben zeitlebens Schwierigkeiten, feste, stabile Beziehungen zu ihren Mitmenschen aufzubauen. Besonders kritisch in diesem Zusammenhang ist die Unreife des kindlichen Gehirns. Vereinfacht gesagt ist nämlich bis ungefähr zum Alter von drei Jahren das Hirnareal für das Speichern von Erfahrungen noch nicht fertig.

Deshalb wirken sich alle Erfahrungen – und hier insbesondere Stress – direkt auf die Reifungsprozesse des Großhirns aus und bilden so die Grundlage für spätere psychologische Krankheiten und Auffälligkeiten, darunter Angststörungen und Depressionen. Mit anderen Worten: Eine unsichere Bindung führt zu Schäden am Gehirn und an der Seele des Kindes! Eine Fremdbetreuung unter diesen Umständen grenzt damit an fahrlässige Körperverletzung!

Mögliche Konsequenzen

Es ist nicht vollkommen unmöglich, eine Betreuungseinrichtung zu schaffen, die auch den Ansprüchen von Kleinstkindern (1-3 Jahre) gerecht wird. Sobald die Kinder anfangen, etwas mobiler zu werden, beginnen sie, ihre Umgebung zu entdecken und entfernen sich dabei natürlich immer wieder von der Mutter bzw. der primären Bezugsperson. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Betreuung durch eine andere Person möglich, wenn eine einfühlsame Eingewöhnung stattfindet, die die Schaffung eines Vertrauensverhältnisses zwischen Kind und Betreuungsperson ermöglicht. Das Tempo dieser Eingewöhnungsphase muss sich dabei am Verhalten des Kindes orientieren.

Eine solche Einrichtung braucht Kleinstgruppen mit einem Betreuungsschlüssel von maximal eins zu vier – so wie es zum Beispiel in Finnland gesetzlich vorgeschrieben ist. Unter diesen Umständen ist bereits ein Jahr nach der Geburt ein etwas größerer Freiraum für die Mutter denkbar, sofern abseits dieser Zeit das Kind für die Mutter wieder im Mittelpunkt steht und zu Hause ein stressarmer Gegenpol zum lauten und turbulenten Treiben in der Kita geschaffen wird.

Für Kinder unter einem Jahr, also Säuglinge, ist eine Fremdbetreuung ohne negative Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung jedoch vollkommen undenkbar. Dafür ist ein Säugling zu sehr auf die unmittelbare Nähe und den Körperkontakt zu seiner Mutter angewiesen. Die Studien, die in den weiterführenden Links zitiert werden, bestätigen das.

Für Eltern bedeutet dies, dass sie bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres ihres Kindes die Möglichkeit schaffen müssen, dass die Mutter sich vollkommen um das Baby kümmern kann. Die natürlichen Bedürfnisse des Säuglings und die gravierenden Konsequenzen für das ganze spätere Leben des Kindes bei deren Missachtung lassen keinen anderen Schluss zu.

Das muss nicht unbedingt zurück zur klassischen Alleinverdiener-Hausfrauen-Rollenverteilung führen. Bei einer Vielzahl von Tätigkeiten wäre es zumindest vorstellbar, dass die Mutter ihr Baby mit zur Arbeit nimmt – hier müsste jedoch an vielen Stellen der Gesellschaft umgedacht werden, um dies zu ermöglichen. Einerseits natürlich auf Seiten der Arbeitgeber aber auch auf Seiten von Konsumenten, Kunden und Klienten, die akzeptieren lernen müssten, manchmal mit nicht vollkommen ungeteilter Aufmerksamkeit bedient zu werden.

Zweifelsohne bedeutet die starke Fixierung des Säuglings auf die Mutter ein gewisses Ungleichgewicht. Für Mütter führt die Geburt eines Kindes derzeit immer noch oft zu einem deutlich stärkeren Verlust an wirtschaftlicher Unabhängigkeit, gesellschaftlichem und politischem Einfluss, Prestige, Einkommen und Berufsaussichten als für Väter.

Ein Schritt für einen Ausgleich auf finanzieller Seite könnte ein Muttergehalt sein, welches der Mutter bzw. der Familie als Ganzes eine Betreuung des eigenen Kindes mindestens für das erste, besser aber noch bis zum vollendeten dritten Lebensjahr ermöglicht. Die staatliche Förderung für die U3-Betreuung beträgt 1500 € pro Krippenplatz und Monat, das Elterngeld kann bis zu 1800 € pro Monat betragen. Die Mittel für eine solche Maßnahme wären also vorhanden. Man müsste also den Bezugszeitraum für das Elterngeld verlängern, Krippen die staatliche Förderung entziehen und den Basissatz des Elterngeldes von 300 € auf allermindestens 706 € pro Monat – das entspricht dem aktuellen Steuerfreibetrag, der sich am Existenzminimum orientiert – anheben.


Es sind jedoch nicht nur finanzielle Einbußen die Frauen in Kauf nehmen müssen, wollen sie Kinder bekommen. Auch wenn die meisten Mütter diese Opfer nur allzu gerne für ihre Kinder bringen, ist das Ergebnis eine nur spärliche Repräsentierung von Müttern in allen gesellschaftlichen Sphären jenseits der Familie. Kitas sind hier leider nicht die erhoffte Lösung, um für Mütter die volle Teilhabe zu gewährleisten, denn diese Lösung geht auf Kosten der Kinder. Die Lösung liegt viel eher darin, Kinder als Teil unserer gesellschaftlichen Realität wieder mehr zu integrieren, statt sie in eigene Bereiche (ins absolut Private bzw. in Betreuungseinrichtungen) abzuschieben.

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